Jüdinnen und
Juden in der
MENA-Region

An Ihrer Schule findet eine Projektwoche zum Thema Vielfalt statt. Krönender Abschluss soll ein gemeinsames interkulturelles Kochen sein. Ihre Schülerinnen und Schüler freuen sich sehr darauf und wollen Köstlichkeiten aus aller Welt beisteuern. Doch dann entbrennt ein Streit: Woher kommt Hummus? Aus dem Libanon? Aus Ägypten? Oder doch aus Israel? Sind Falafel jüdisch oder arabisch?

Um in Situationen wie diesen pädagogisch angemessen reagieren zu können, ist es hilfreich, sich mit der Geschichte der Juden in der MENA-Region (Middle East and North Africa, dt.: Naher Osten und Nordafrika) vertraut zu machen. In diesem Modul erfahren Sie außerdem, welche Chancen und Fallstricke Begegnungs- und Kennenlernprojekte wie beispielsweise gemeinsames Kochen oder ein interkulturelles Essen bieten.

 

Eine jemenitisch-jüdische Familie beim Shabbat (1947)

 

In diesem Modul

  1. lernen Sie die Vielfalt des Judentums im Nahen Osten und Nordafrika kennen,
  2. erfahren Sie mehr über die globale Dimension der Shoah und
  3. erhalten Sie Denkanstöße, wie die Vielfältigkeit der heutigen israelischen Gesellschaft vermittelt werden kann.

 

Am Ende eines jeden Moduls wird auf weiterführende Fachliteratur verwiesen. Ebenso erhalten Sie Handlungsempfehlungen für den Schulalltag und Zugang zu Methoden aus der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit, die Sie direkt im Unterricht einsetzen können.

Jüdinnen und Juden in MENA-Region?

 

Haben Sie schon einmal von Mimouna gehört? Kennen Sie Sabich?

Jachnun – traditionelles Shabbatessen jemenitischer Jüdinnen und Juden

 

Die Geschichte und Kultur der Jüdinnen und Juden aus dem Nahen Osten und Nordafrika ist vielen Menschen weitestgehend unbekannt. Doch auch in dieser Region leben seit fast 3000 Jahren Jüdinnen und Juden – also lebten sie dort noch bevor der Islam oder das Christentum überhaupt entstanden sind. (1)

Die gemeinsame Erklärung und gemeinsame Empfehlungen des Zentralrats der Juden in Deutschland, des Verband Bildungsmedien und der Kultusministerkonferenz zur Darstellung des Judentums in Bildungsmedien stellen fest:

 

»Es ist notwendig, jüdische Perspektiven und Stimmen möglichst in allen behandelten Epochen einzubeziehen. Jüdische Geschichte sollte auch in ihren Verflechtungen mit der allgemeinen Geschichte dargestellt werden, wobei ihre transnationalen bzw. transterritorialen Aspekte zu beachten sind.« (2)

 

Quellen

(1) Der Titel des Moduls lautet ›Jüdinnen und Juden in der MENA-Region‹. Jedoch ist diese Region vielfältig. Der Iran zählt beispielsweise nicht dazu und die jüdische Geschichte verlief dort – gerade in Hinblick auf die Revolution von 1979 – anders. 1948 waren einige Ländern, etwa Marokko, noch unter Kolonialherrschaft. Außerdem leben in der Region stets Gruppen wie Kurdinnen und Kurden, Imazighen, Koptinnen und Kopten, Assyrerinnen und Assyrer, Yezidinnen und Yeziden und viele mehr. Diese besitzen wie Jüdinnen und Juden eine eigenständige Identität.

(2) Zentralrat der Juden in Deutschland/Kultusministerkonferenz/Verband Bildungsmedien (2024): Darstellung des Judentums in Bildungsmedien, online bei kmk.org.

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Diaspora(?)

 

Was bedeutet das Wort Diaspora und in welchem Kontext haben Sie es schon einmal gehört? Was ist die jüdische Diaspora?

 

Bitte geben Sie zuerst Ihre Antwort/Antworten an.

 

»[Das] jüdische Volk ist nicht ein ethnisch einheitliches Nationalvolk mit einer einheitlichen Geschichte, Sprache und Kultur, da es keinen geschlossenen Siedlungsraum hatte, sondern durch mehrere Vertreibungen aus der historischen Heimat zur jüdischen Diaspora im Exil zerfiel. Diaspora stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt Zerstreuung.

Es gibt dadurch viele verschiedene Gruppierungen innerhalb des jüdischen Volkes. Die drei größten umfassen die aschkenasischen Jüdinnen und Juden aus Europa und Osteuropa, die sephardischen Jüdinnen und Juden aus Spanien und Portugal und die mizrachischen Jüdinnen und Juden aus dem sogenannten Orient und Nordafrika.

Sie alle zeichnen sich durch die unterschiedlichen Geschichten und kulturellen Einflüsse der jeweiligen Länder aus, die sie mit dem Judentum vereinbaren. Zum Beispiel werden verschiedene Gerichte von Couscous bis Borschtsch koscher gekocht. Die Bezeichnungen aschkenasisch und sephardisch sind historische Begriffe, die sich in der Diaspora entwickelt haben; mizrachisch ist dagegen ein Begriff aus der Gegenwart.« (1)

Außerdem gibt es noch weitere Gemeinschaften z.B. die Beta Israel (Jüdinnen und Juden aus Äthiopien).

Tipp: Überlegen Sie bitte mit Schülerinnen und Schülern, wie der Begriff Diaspora zu verstehen ist. Wer kennt diesen und ist vielleicht selbst Teil einer Diaspora?

 

Synagoge in Meknès (Marokko) um 1990

 

Viele Jüdinnen und Juden bevorzugen den Begriff mizrachisch als Eigenbezeichnung. Teilweise werden sephardisch und mizrachisch synonym verwendet. Während einige Jüdinnen und Juden z. B. in Nordafrika Nachkommen von Geflüchteten aus Spanien sind, haben andere schon seit Beginn des ersten jüdischen Exils [587 vor unserer Zeitrechnung] in der Region gelebt oder haben sich schon immer auf dem Gebiet des heutigen Israels aufgehalten. Sie durften auf islamischem Gebiet leben und ihre Religion ausüben, doch sie galten als Dhimmis – also ›Schutzbefohlene‹, die für ihre Sonderstellung eine zusätzliche Steuer zahlen und Diskriminierungen erdulden mussten. (2)

Quellen

(1) Malmad (o. J.): Judentum und Jüdische Identitäten, online bei MALMAD. Virtueller Methodenkoffer gegen Antisemitismus.

(2) Hen Mazzig (2022): The Wrong Kind of Jew. A Mizrahi Manifesto, Brentwood: Wicked Son Press, Seite 35.

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Was denken Sie? Welche Aussagen treffen zu?

Ziehen Sie die Aussage in der Mitte in das richtige Feld.

stimmt nicht
20 Prozent der israelischen Jüdinnen und Juden sind Mizrachim, also Jüdinnen und Juden aus dem Nahen Osten und Nordafrika.
stimmt

Die Aussage stimmt nicht.

Es sind knapp über 50%.

stimmt nicht
Jüdinnen und Juden aus dem Jemen sprechen vor allem Ladino.
stimmt

Die Aussage stimmt nicht.

Ladino ist das sogenannte »Judäo-Spanisch« der Sephardim. Jemenitische Jüdinnen und Juden sprachen historisch die jemenitische Variante des »Judeo-Arabisch«.

stimmt nicht
In Marokko und Tunesien leben noch wenige tausend Jüdinnen und Juden.
stimmt

Die Aussage stimmt.

Die meisten leben in Marokko, wenige auf der tunesischen Insel Djerba. Der Großteil der jüdischen Menschen ist nach Israel und Frankreich ausgewandert.

stimmt nicht
Die nach einigen Deutungen erste Rabbinerin weltweit war eine kurdische Jüdin.
stimmt

Die Aussage stimmt.

Dabei handelt es sich um Osnat Barzani (1590).

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Jüdinnen und Juden der MENA-Region während der Shoah

 

Die Geschichte des Nahen Ostens und Nordafrikas ist geprägt von religiöser, ethnischer und kultureller Vielfalt, aber auch von Spannungen und Formen des Antisemitismus.

Im Nahen Osten verbreiteten deutsche Nationalsozialisten Propaganda auf Arabisch und in weiteren Sprachen, die den völkischen Antisemitismus Europas mit einem religiös begründeten islamischen Antisemitismus verband.

Daraus folgt: Auch der moderne Antisemitismus war schon immer eine globale Ideologie, eine Form von Gewalt und Unterdrückung, die das Leben von Jüdinnen und Juden auch in islamisch geprägten Gesellschaften begleitet.

 

»Mitte der 1930er Jahre erlebte die arabische Welt unter dem Einfluss des italienischen Faschismus sowie dem Nazismus die Entstehung nationalistischer und paramilitärischer Bewegungen […] das ganze theatralische Spektrum der totalitären Bewegungen.« (1)

 

Maßgeblich beteiligt daran war der Mufti von Jerusalem, der zu Pogromen im damaligen britischen Mandatsgebiet Palästina aufrief. Einen besonderen Wendepunkt stellt außerdem der Pogrom Farhud im Irak dar.

 

Quellen

(1) Georges Bensoussan (2019): Die Juden der arabischen Welt. Die verbotene Frage. Berlin/Leipzig: Hentrich&Hentrich, Seite 109.

(2) Die Shoah in Nordafrika kann auch im Französischunterricht bearbeitet werden, besonders wenn Frankreich und der französischen Kolonialismus thematisiert werden. Das Sephardi und Mizrahi Toolkit der amerikanischen JIMENA Foundation bietet einen guten Überblick.

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Die deutsche und italienische Besatzung hatte vor allem direkte, gewaltsame Folgen für jüdische Gemeinschaften in Nordafrika. Im Gegensatz dazu hatte die nationalsozialistische Propaganda im Nahen Osten vor allem langfristige ideologische Wirkung, die in Gewalt gegen Jüdinnen und Juden mündete.

Libyen

Libyen war von 1934 bis 1939 eine italienische Kolonie, bis 1943 eine annektierte Provinz. 1940 bis 1943 wurden tausende Jüdinnen und Juden in Arbeits- und Konzentrationslager deportiert. Fast 600 starben in diesen Lagern.

Algerien

Jüdinnen und Juden verloren im Vichy-Regime 1940 ihre französische Staatsbürgerschaft und damit ihre Bürgerrechte. Sie mussten wie in Westeuropa den gelben Stern tragen und waren vom bürgerlichen Leben ausgeschlossen. Zulassungsquoten für den Schulbesuch von Jüdinnen und Juden galten schon in der Grundschule.

Tunesien

Tunesien wurde von der deutschen Wehrmacht von Ende 1942 bis Mai 1943 besetzt. SS-Einheiten in Tunesien setzten antisemitische Politiken durch und deportierten Jüdinnen und Juden in Konzentrationslager.

Marokko

Hier hatte die jüdische Bevölkerung keine französische Staatsbürgerschaft. Antisemitische Gesetze des nationalsozialistisch kontrollierten Vichy-Regimes wurden jedoch weniger streng ausgelegt. Während der Shoah rettete Marokkos Sultan Mohammed V. zahlreiche jüdische Bürger vor der Verfolgung. Jedoch wurden letztendlich 2100 marokkanische Jüdinnen und Juden in Arbeitslagern interniert (1). In den Jahrzehnten danach verfolgte Marokko eine teils anti-israelische Politik, doch aktuell wird das jüdische Erbe anerkannt und Annäherungen an Israel werden gefördert (2).

Die Shoah in Nordafrika kann auch im Französischunterricht bearbeitet werden, besonders wenn Frankreich und der französische Kolonialismus thematisiert werden (3).

 

Libysch-jüdische Überlebende der Shoah auf dem Weg zurück nach Tripolis (1945)

 

 

Quellen

(1) Mehr über die jüdischen Gemeinden Nordafrikas und ihre Geschichte – inklusive der Rolle Marokkos in der Shoah – finden Sie in Bildungsmaterialien von Yad Vashem.

(2) Thaidigsmann, Michael (2022): König Mohammed ermöglicht ›Zentralrat der Juden‹, online bei Jüdische Allgemeine.

Farhud: Die Pogrome in Baghdad am 1. und 2. Juni 1941 

 

Als Farhud werden Pogrome bezeichnet, die am 1. und 2. Juni 1941 während Shavuot in Baghdad stattfanden. Neben Soldaten, Polizei und Futtuwa-Gruppen beteiligten sich zahlreiche Zivilistinnen und Zivilisten an den Pogromen. Sie markierten die Häuser der jüdischen Bevölkerung mit einer roten Hand (1). Solche Feindmarkierungen werden seit dem 7. Oktober 2023 von der palästinensischen Terrororganisation Hamas sowie deren Sympathisanten in Europa und den USA durch ein rotes Dreieck verwendet. Auch im (linken) Antizionismus wird es seitdem regelmäßig benutzt.

Sami Michael, Zeitzeuge und Überlebender des Farhud berichtet:

 

»Routinemäßig wurde antisemitische Propaganda vom lokalen Radio und von Radio Berlin in arabischer Sprache gesendet. Auf dem Schulweg wurden verschiedene antijüdische Parolen an die Wände geschrieben, wie zum Beispiel ›Hitler tötet die jüdischen Keime‹. Auf Geschäfte, die Muslimen gehörten, wurde ›Muslim‹ geschrieben, damit sie bei antijüdischen Ausschreitungen nicht beschädigt würden.« (1)

 

Quellen

(1) o. A. (2011): The Farhud – The forgotten Pogrom, online bei The Jewish Chronicle.

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Was ist ein Pogrom?

 

Das Wort Pogrom kommt aus dem Russischen und bedeutet übersetzt etwa ›Zerstörung‹, ›Verwüstung‹. Ursprünglich bezog es sich auf die gewalttätigen Angriffe der nicht-jüdischen Bevölkerung auf Jüdinnen und Juden im Russischen Reich. Später wurde der Begriff allgemeiner im Kontext von Angriffen auf religiöse und ethnische Minderheiten verwendet, ist jedoch weiterhin besonders als Wort für Angriffe gegen Jüdinnen und Juden verbreitet, wie etwa bei den November-Pogromen während des Nationalsozialismus (1).

 

Quellen

(1) o. A. (2011): The Farhud – The forgotten Pogrom, online bei The Jewish Chronicle.

Flucht

 

Was waren die Folgen?

 

Nach dem Farhud flohen zahlreiche Jüdinnen und Juden aus Baghdad. Die Einwanderung in das damalige Mandatsgebiet Palästina wurde jedoch von den Briten strikt begrenzt. Zudem betrachtete die irakische Regierung die Jüdinnen und Juden als Kollaborateure der Briten und ihrer irakischen Verbündeten. 1951 waren fast alle Jüdinnen und Juden nach Israel geflohen. Damit endete die 2600 Jahre andauernde jüdische Geschichte im Irak.

 

Heute erinnert in der israelischen Stadt Ramat Gan ein Denkmal an den Farhud. In Or Yehuda befindet sich das Museum der babylonischen Juden.

 

Weitere Fluchtbewegungen setzten ab 1948 nach Staatsgründung Israels dorthin ein, z.B. durch die Luftbrücken Magic Carpet (1948/49 Jemen) sowie Ezra und Nehemiah (1951/52 Irak).

 

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Das Geo-Museum der Juden in Nordafrika und im Mittleren Osten archiviert jüdische Stätten in der Region und stellt diese digital zur Verfügung. Dieses Material kann beispielsweise im Erdkundeunterricht eingesetzt werden.

 

Jemenitische Juden beim Thorastudium (1926).

Mizrachim (und Sephardim) heute

 

Viele Mizrachim wurden nach der Flucht nach Israel übergangsweise in Zeltlagern untergebracht – den sogenannten maaborot. Viele litten dort unter den schwierigen und beengten Lebensbedingungen. Zwar waren sie nun sicher vor Verfolgung und Antisemitismus, doch der junge Staat Israel konnte den Geflüchteten kaum ein angemessenes Leben ermöglichen. Außerdem war das Alltagsleben oft von Rassismus innerhalb der Gesellschaft geprägt. Bis heute sind Mizrachim generell gegenüber Aschkenasim sozioökonomisch benachteiligt. Gleichzeitig bekennen sich aber viele zum Staat Israel als einzigem Schutzraum für Jüdinnen und Juden.

Heute machen Jüdinnen und Juden aus der MENA-Region einen großen Teil der israelischen Bevölkerung aus – 60 Prozent. Die israelische Alltagskultur wie Musik und Küche sind stark mizrachisch geprägt. Auch in Frankreich, wo aktuell noch die größte jüdische Gemeinschaft Europas lebt, stammt der größte Teil der Jüdinnen und Juden aus Nordafrika und ist damit sephardischer oder mizrachischer Herkunft.

Tipp: Jüdische Kultur lässt sich zum Beispiel auch während eines Austausches oder einer Klassenfahrt in Frankreich erleben. Sie könnten zum Beispiel eine sephardische Synagoge besuchen oder gemeinsam in einem nordafrikanisch-koscheren Restaurant speisen.

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Beispiel: Die international erfolgreiche israelische Popband A-WA besteht aus drei jemenitisch-jüdischen Schwestern, die auf Arabisch singen. In ihrer Musik nehmen sie stark Bezug auf ihre Herkunft, vertonen traditionelle Lieder mit modernem Elektrosound oder erinnern in ihren Texten an die Lebensbedingungen in den maaborot.

Tair Haim von A-WA besingt hier das traditionelle Shabbat-Gericht mizrachischer Jüdinnen und Juden als kulturelle Tradition in einer ›Instant World‹. Musik der jüdischen Diaspora und aus Israel lässt sich anschaulich im Musikunterricht einbinden.

Durch das Laden können Daten an YouTube übertragen werden. Lesen Sie mehr in der Datenschutzerklärung.

Einladung zur vertiefenden Reflexion

 

Im Folgenden erhalten Sie einige Fragen, mit denen Sie das Gelernte reflektieren können.

 

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Überlegen Sie, inwiefern das Nachkochen traditioneller Gerichte ein geeigneter Zugang ist, um Vorurteile abzubauen.
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Kulturelle Praxis wie gemeinsames Kochen kann niedrigschwellige Zugänge zu komplexen Themen eröffnen. Das gemeinsame Erleben schafft emotionale Verbindungen, fördert Empathie und ermöglicht Schülerinnen und Schülern, Gemeinsamkeiten zu entdecken. Zwar ersetzt Kulinarik keine inhaltliche Auseinandersetzung mit Antisemitismus, sie kann aber einen positiven emotionalen Rahmen für vertiefte Reflexion schaffen. Gerade dieser emotionale Zugang ist für viele Schülerinnen und Schüler ein erster Schritt, sich mit schwierigen oder belastenden Themen auseinanderzusetzen. Wenn Lehrkräfte das Nachkochen mit Hintergrundwissen und Reflexionsgesprächen verbinden, entsteht ein ganzheitlicher Lernprozess, in dem auch die für die antisemitismuskritische so bedeutsame emotionale Dimension Berücksichtigung findet.

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Fluchtbewegungen nach 1948

Können Sie sich vorstellen, welche pädagogische Bedeutung die Thematisierung der jüdischen Fluchtbewegungen nach 1948 hat?

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Die Thematisierung jüdischer Fluchtbewegungen nach 1948 ist zentral, um die Geschichte des Nahen Ostens multiperspektivisch zu vermitteln. Viele Mizrachim kamen als Geflüchtete nach Israel und prägten die Gesellschaft stark, gleichzeitig litten sie unter schwierigen Lebensbedingungen und Diskriminierungen. Für Schülerinnen und Schüler eröffnet dies einen Blick auf die Komplexität von Flucht und Integration. Pädagogisch ist das Thema anschlussfähig an heutige Erfahrungen von Migration, Exil und Identität. So lassen sich Brücken schlagen zwischen Geschichte und Gegenwart, die Empathie und Perspektivwechsel fördern.

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Pädagogische Verantwortung

Was denken Sie? Welche Verantwortung tragen Lehrkräfte im Umgang mit dem Thema jüdischer Geschichte in der MENA-Region?

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Lehrkräfte haben die Aufgabe, jüdische Geschichte multiperspektivisch und inklusiv darzustellen. Wenn der Fokus allein auf Europa liegt, werden wichtige Erfahrungen von Diskriminierung, Kultur und Migration unsichtbar. Gerade die Verbindung zwischen MENA-Region, Shoah, Fluchtbewegungen und heutigen mizrachischen Communities macht deutlich, wie global und komplex jüdische Geschichte ist. Lehrkräfte sollten zudem herausarbeiten, dass Antisemitismus auch in islamischen Kontexten wirksam war, ohne dabei pauschalisierende Schuldzuweisungen zu produzieren. Pädagogisch heißt das: Komplexität sichtbar machen, ohne die Schülerinnen und Schüler zu überfordern. Eine klare Haltung gegen Vereinfachungen verbunden mit einfühlsamer Vermittlung sind dabei entscheidend.

Sie haben das Modul »Jüdinnen und Juden in der MENA-Region« beendet!

Nehmen Sie gerne auch diese praktischen Hinweise zur Kenntnis:

Graphic Novels: Jüdisches Leben in arabischen Gesellschaften

Die Schülerinnen und Schüler lernen in Methode 3 des Bildungsbausteins Israel die Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens in Syrien und dem Irak kennen. Sie erleben die realen Geschichten von Jacob aus Bagdad und Eid aus Damaskus in Form eines Comics. So erhalten die Lernenden einen neuen, ungewohnten Blick auf den Nahen Osten und dessen vielfältige Kulturen.

Denken Sie daran:

  1. Mit diesem neu erworbenen Wissen können Sie faktenbasiert gegen Antisemitismus argumentieren.
  2. Schauen Sie also nicht weg, sondern handeln Sie! Beachten dazu die Handlungsleitlinien Antisemitismus des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen.
  3. Antisemitismus ist keine Meinung, sondern eine direkte Bedrohung von Jüdinnen und Juden. Melden Sie antisemitische Vorfälle bei der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS).
  4. Nehmen Sie bitte auch die rechtlichen Regelungen im Zusammenhang mit antisemitischen Vorfällen in Schulen sowie den Erlass Zusammenarbeit bei der Verhütung und Bekämpfung der Jugendkriminalität zur Kenntnis.

 

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Weiterführende Literatur zum Thema

Grigat, Stephan (2024): Flucht und Vertreibung von Juden aus den arabischen Ländern, online bei bpb.de

Julius, Lyn (2018): Uprooted. How 3000 Years of Jewish Civilization in the Arab World Vanished Overnight, London/Portland, OR: Vallentine Mitchell.

Yad Vashem (o. J.): Die Jüdinnen und Juden von Algerien, Marokko und Tunesien, online bei Yad Vashem. Internationale Holocaust-Gedenkstätte.

Unterrichtsmaterialien zum Thema

Malmad (o. J.): Judentum und Jüdische Identitäten, online bei MALMAD. Virtueller Methodenkoffer gegen Antisemitismus.

Zentralrat der Juden in Deutschland/Kultusministerkonferenz/Verband Bildungsmedien (2024): Darstellung des Judentums in Bildungsmedien, online bei kmk.org.