Die BDS-
Kampagne

Sind Aufrufe zum Boykott Israels antisemitisch?

Sie bemerken während einer Pausenaufsicht eine Gruppe Schüler, die ›Palestine Cola‹ trinken. Einer aus der Gruppe zeigt Ihnen eine App. Er erklärt, dass er damit im Supermarkt erkennen könne, ob etwas »von den Zionisten« komme, das würde er nämlich boykottieren.

In der geschilderten Szene wird die Verschränkung von digitaler und analoger Welt deutlich. Trends mit anti-jüdischen und anti-israelischen Inhalten aus den Sozialen Medien haben einen erheblichen Einfluss auf jugendliche Lebenswelten; insbesondere, wenn solche Darstellung unreflektiert übernommen und geteilt werden (1).

In diesem Modul …

  1. erfahren Sie, was die BDS-Kampagne ist,
  2. erhalten Sie Einblicke in ihre antisemitische Ideologie, Forderungen und Aktionsformen,
  3. und lernen Sie, wie sie von BDS verwendete Codes kritisieren und dekonstruieren können.

 

Am Ende eines jeden Moduls wird auf weiterführende Fachliteratur verwiesen. Außerdem erhalten Sie Handlungsempfehlungen für den Schulalltag, direkte Hinweise zur Prävention und Intervention im Klassenzimmer sowie Zugang zu Methoden aus der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit, die Sie direkt im Unterricht einsetzen können.

 

Quellen

(1) Bildungsstätte Anne Frank (2023): Safer TikTok. Strategien im Umgang mit Antisemitismus und Hassrede auf TikTok, online bei bs-anne-frank.de, Seite 26.

Was ist BDS?

 

Das Kürzel steht für Boycott, Divestment and Sanctions (dt.: Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen). BDS ist ein internationales »Bewegungs-Netzwerk mit einer spezifischen Kampagne« (1), dessen Akteure koordiniert zusammenarbeiten.

 

Ihr politisches Ziel ist ein umfassender Boykott Israels. Dazu gehört die Forderung, dass Staaten und Institutionen ihre ökonomischen, kulturellen und politischen Beziehungen zu Israel abbrechen sollen. Das führt z.B. so weit, dass Einzelpersonen, etwa israelische Künstlerinnen und Schauspieler, Unternehmen, die mit israelischen Produkten handeln, und Universitäten, die mit israelischen Forschungseinrichtungen kooperieren, kontinuierlich unter Druck gesetzt werden.

 

Die Kampagne tarnt ihre Forderungen und Aktionsformen als ›Kritik‹ an israelischem Regierungshandeln. BDS überträgt in Wirklichkeit jedoch historische antisemitische Ressentiments auf den jüdischen Staat – etwa indem Israel als das ›ultimative Böse‹ dargestellt und für alle globalen Missstände verantwortlich gemacht wird.

 

Quellen

(1) Bundesverband RIAS (2020): Antisemitismus bei BDS. Akteure – Aktionsformen – Wirkungen, online bei report-antisemitism.de, Seite 15.

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Warum findet BDS bei Jugendlichen so viel Zuspruch?

 

BDS ist auch in der Schule anschlussfähig. BDS ist kein harmloser TikTok-Trend, sondern wird durch die Aktionsformen zu einer realen Gefahr für jüdisches Leben.

 

Aber warum ist diese Politisierung des Boykotts bei jungen Menschen so anschlussfähig?

 

Sozialpsychologische Studien zeigen, dass die Abgrenzung von ›Fremden‹ im Allgemeinen dem Gefühl der Gruppenzugehörigkeit und Identitätsbildung dient – gerade bei jungen Menschen (1). Jüdinnen und Juden nehmen hierbei eine besondere Funktion ein: Historisch tradierte Ressentiments und Verschwörungsideologien stellen ›die Juden‹ als Personifizierungen der überkomplexen, modernen Welt dar. Diese Überkomplexität kann bei vielen Menschen Gefühle von persönlicher Macht- und Hilflosigkeit hervorrufen. Der Antisemitismus bietet in solchen Situationen scheinbar einfache Lösungen an und schafft soziale Angebote zur Abwehr des Gefühls dieser Machtlosigkeit (2), indem er konkrete Schuldige benennt: Jüdinnen und Juden (3).

 

Auch die BDS-Kampagne schafft Angebote von Gruppenzugehörigkeit und Identität, indem sie als jugendliche Protestbewegung auftritt, die online und offline durch Boykottaufrufe gegen Israel Handlungsmöglichkeiten anbietet (3). Solche Handlungen können sehr einfach in den Alltag eingebaut werden, indem etwa Produkte »mit angeblichen Verbindungen zu Israel« (4) boykottiert werden. BDS ruft daher etwa zum Boykott von Coca Cola, McDonalds oder Starbucks auf.

 

Quellen

(1) Oliver Decker/Johannes Kiess/Elmar Brähler (2024): Antisemitismus als individuelles Ressentiment und gesellschaftliches Sediement – empirische Befunde, in: dies. (Hg.): Vereint im Ressentiment. Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen, Gießen: Psychosozial, Seiten 134.

(2) ebd., Seite 136.

(3) Bundesverband RIAS (2020): Antisemitismus bei BDS. Akteure – Aktionsformen – Wirkungen, online bei report-antisemitism.de, Seite 44.

(4) Der Spiegel (2024): Coca-Cola will Image mit Werbekampagne aufpolieren, online bei spiegel.de.

Antisemitischer Boykott – eine lange Tradition?

 

Die BDS-Kampagne gründete sich im Jahr 2005. Ihre Forderungen nach einem Boykott von Jüdinnen, Juden und Israel sind allerdings kein neues Phänomen. Sie stehen vielmehr in einer langen Tradition antisemitischer Boykottaufrufe. Das bekannteste Beispiel ist die Parole ›Deutsche! Wehrt euch! Kauf nicht bei Juden!‹, die im deutschen Nationalsozialismus zur alltäglichen Praxis wurde. Allerdings beginnen antisemitische Boykott-Kampagnen nicht erst 1933 und sie sind auch nicht auf Deutschland beschränkt.

 

 

Was vermuten Sie: Ab wann gab es den Boykott jüdischer Waren?

Wählen Sie auf dem Zeitstrahl ein Jahrhundert zwischen den Jahren 1000 und 2000.

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Im Grunde gibt es Boykotte jüdischer Waren solange das Judentum existiert. Im Mittelalter verschärft sich die Lage von Jüdinnen und Juden; sie werden aus den Zünften ausgeschlossen, ihnen wird der Zugang zu Märkten und Kunden verwehrt. Antijüdische Ressentiments führten zum Boykott jüdischer Waren (1).

 

Im Zuge der rechtlichen Gleichstellung und der sich im 19. Jahrhundert entwickelnden jüdischen Nationalbewegung, dem Zionismus, werden Jüdinnen und Juden zunehmend unter Druck gesetzt, sich entweder zu assimilieren, also ihre religiöse und kulturelle Identität aufzugeben, oder das Land zu verlassen. Besonders in den 1920er Jahren wird diese Ausgrenzung mit Boykotten zu erreichen versucht – in der Sowjetunion, in Deutschland, Österreich und Ungarn, auf dem Balkan und der MENA-Region.

 

Solche Boykotte jüdischer Waren und Geschäfte finden global bis in die Gegenwart immer wieder statt. Heute wird aber meist nicht vom Boykott ›jüdischer Waren‹, sondern vom Boykott ›israelischer Waren‹ gesprochen (2). Mit dieser Formulierung wird versucht, den klassisch-antisemitischen Charakter des Boykotts wie eine legitime Kritik an Israel aussehen zu lassen.

 

Trotz dieses Anscheins legitimer Kritik wird BDS von vielen Experten und Expertinnen als antisemitisch (3) und als extremistischer Verdachtsfall (4) eingestuft, da nicht »Frieden, Menschenrechte und Zwei-Staaten-Lösung« gefordert werden, sondern Israel eindimensional dämonisiert und delegitimiert wird. Das geschieht etwa indem Israel als autoritärer Terrorstaat dargestellt wird, der Palästinenserinnen und Palästinenser gewaltsam unterdrücke und ausbeute.

 

Quellen

(1) Moshe Greenberg/Lou Hacket Silverman (2025): Marginalization and expulsion, online bei britannica.com.

(2) David Feldman (2019): Boycotts Past and Present. From the American Revolution to the Campaign to Boycott Israel, London: Palgrave Macmillan.

(3) Internationales Institut für Bildung, Sozial- und Antisemitismusforschung e.V. (2023): Die antisemitische Boykottkampagne BDS, online bei iibsa.org, Seite 6.

(4) Bundesministerium des Inneren und für Heimat (2024): Verfassungsschutzbericht 2023, online bei verfassungsschutz.de, Seite 58f.

Sind die Kernziele von BDS antisemitisch?

 

Durch den Boykott will BDS drei Kernziele erreichen. Diese sind jedoch bewusst vage formuliert, um für verschiedene politische Strömungen möglichst anschlussfähig zu bleiben.

 

Die Kernziele lauten:

  1. Ende der Besatzung allen ›arabischen Landes‹,
  2. Forderung nach Gleichberechtigung arabischer Israelis,
  3. Uneingeschränktes Rückkehrrecht für palästinensische Geflüchtete und ihre Nachkommen.

 

Die Ziele von BDS scheinen auf den ersten Blick nicht offen antisemitisch. Zugleich sind sie aber inkonsistent, unklar, teilweise widersprüchlich. Außerdem wird immer wieder auf antisemitische Codes und Umwegkommunikationen zurückgegriffen.

 

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Unklarheiten und Widersprüche

 

Zum 1. Ziel: Ende der Besatzung

 

BDS-Gruppen definieren dabei nicht, was sie mit ›arabischem Land‹ meinen. Es bleibt unklar, ob damit der Rückzug Israels aus dem Westjordanland und/oder Ostjerusalem gemeint ist oder im Sinne einer panarabischen Ideologie das gesamte Gebiet zwischen dem Fluss Jordan und dem Mittelmeer. Der von vielen BDS-Akteuren verwendete antisemitische Slogan ›from the river to the sea‹ deutet darauf hin, dass eine Auslöschung des Staates Israel beabsichtigt ist. BDS-Gruppen fordern in diesem Fall einen Boykott zur Vernichtung des jüdischen Staates (1).

 

Zum 2. Ziel: Forderung nach Gleichberechtigung

 

In Israel leben 1,3 Millionen arabische Israelis, die ca. 20% der Gesamtbevölkerung ausmachen. Arabische Israelis sind in allen gesellschaftlichen Positionen Israels anzutreffen. Sie genießen die gleichen Bürgerrechte wie jüdische Israelis und ihre Parteien sind im Parlament vertreten, 2021 bis 2022 war eine arabische Partei sogar erstmalig Teil der Regierung. 46% der neu ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte und 57% der Apothekerinnen und Apotheker sind arabische Israelis. Gleichzeitig gibt es trotzdem, wie in allen modernen kapitalistischen Staaten, Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus. Diese sind jedoch nicht mit der südafrikanischen Apartheid gleichzusetzen, auf die sich BDS-Unterstützerinnen und Unterstützer beziehen (2).

 

Zum 3. Ziel: Uneingeschränktes Rückkehrrecht

 

700.000 Palästinenserinnen und Palästinenser wurden 1948 während des Unabhängigkeitskrieg vertrieben oder flohen in arabische Nachbarstaaten. BDS fordert sowohl für diese als auch für ihre Nachfahren ein Rückkehrrecht. Dieser Flüchtlingsstatus für unbegrenzte Nachkommenschaft wäre weltweit einzigartig. Für ca. 850.000 jüdische Geflüchtete, die nach 1948 aus der MENA-Region vertrieben worden sind, gibt es keine vergleichbare Regelung. In dritter Generation gelten somit 5 Millionen in der ganzen Welt verteilte Menschen als palästinensische Geflüchtete von 1948. Da Israel nur 9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner hat, davon 6 Millionen jüdisch, wäre die Existenz eines jüdischen Staates als Schutzraum in dieser Form bei einer Rückkehr nicht gesichert (3).

 

Quellen

(1) Nicolas Potter/Stefan Lauer (2023): Judenhass Underground. Antisemitismus in emanzipatorischen Subkulturen und Bewegungen, Berlin/Leipzig: Hentrich & Hentrich, Seite 54f.

(2) ebd., Seite 57f.

(3) ebd., Seite 59.

BDS inszeniert sich als Graswurzelbewegung aus der globalen Zivilgesellschaft. Tatsächlich wird BDS aber durch das Palestinian BDS National Committee organisiert, das auch die Hoheit über die politischen Ziele beansprucht.

Sie haben schon einige Informationen zu Ideologie und Forderungen von BDS erhalten. Mit wem könnte BDS über das BDS National Committee zusammenarbeiten?

 

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BDS kooperiert mit islamistischem Terrorismus

 

Das Palestinian BDS National Committee (BNC) ist im Council of Palestinian National and Islamic Forces organisiert und arbeitet dort mit unterschiedlichen Akteuren zusammen. Die Anti-Defamation League stuft die gesamte Organisationsstruktur als terroristisch ein (1).

 

In diesem Organisationsnetzwerk kommen nämlich panarabisch-nationalistische, säkulare und marxistisch-leninistische Gruppen wie die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) sowie islamistische Gruppen wie Hamas und Palästinensischer Islamischer Jihad zusammen. Antisemitismus wirkt hier als »Brückenideologie« (2) zwischen Gruppen, die politisch sonst wenig verbindet.

 

Fazit: BDS scheut nicht die Zusammenarbeit mit terroristischen Organisationen, obwohl diese explizit die Vernichtung aller Jüdinnen und Juden weltweit anstreben.

Quellen

(1) ADL (2013): Palestinian National and Islamic Forces, online bei web.archive.org.

(2) Oliver Decker et al. (2024): Vereint im Ressentiment. Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2024, in: dies. (Hg.): Vereint im Ressentiment. Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen, Gießen: Psychosozial, Seite 24.

Antisemitische Diskursverschiebung

 

Der Einfluss von BDS wirkt über die konkreten Boykottkampagnen des Netzwerks hinaus, indem BDS eine antisemitische Diskursverschiebung erzeugt. Gerade in der Musik- und Kulturszene ist BDS äußerst wirkmächtig – etwa durch Bewegungen wie #DJsforPalestine. #DJsforPalestine tritt mit Aufrufen zum Mobbing von Musikerinnen und Musikern, die in Israel auftreten, an die Öffentlichkeit.

 

Auch in verschiedenen Musikkulturen hat BDS Fuß gefasst – z.B. in der Techno-, in der Hiphop- oder in der Punkszene (1). Die irische Hiphop-Band Kneecap, die auf internationalen Festivals tausende junge Menschen begeistert, versteht sich als BDS-Unterstützer und verherrlicht zugleich mit Parolen wie »Up Hamas, up Hizbollah!« islamistische Terrororganisationen (2).

 

Fliegender Schweineballon auf einem Konzert des Musikers und BDS-Unterstützers Roger Waters. Bei Konzerten wird dieses Schwein auch mit einem Davidstern versehen, was Waters als Protest gegen Israel abtut. Die antisemitische Darstellung von Jüdinnen und Juden als Schweine (›Judensau‹) hat eine lange, antijudaistische Tradition

 

 

Quellen

(1) Nicolas Potter/Stefan Lauer (2023): Judenhass Underground. Antisemitismus in emanzipatorischen Subkulturen und Bewegungen, Berlin/Leipzig: Hentrich & Hentrich, Seite 83–190.

(2) Kolja Podkowik (2025): Die globale Pop-Intifada, online bei jungle.world.

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Aufgrund des antisemitischen Charakters von BDS haben der Bundestag und einige Landesparlamente, etwa ThüringenNordrhein-Westfalen oder Berlin, die BDS-Kampagne als antisemitisch eingestuft. Auch verschiedene Städte, Studierendenorganisationen, Kirchen und Gewerkschaften sprechen sich gegen BDS aus.

Diese Beschlusslage zeigt, dass es objektive Kriterien gibt, BDS als Kampagne mit einer antisemitischen Ideologie zu beschreiben.

Aktuelle Situation

 

»Escalate all BDS campaigns now!«

 

Nach dem 7. Oktober 2023 verharmloste BDS das Pogrom der Hamas als bewaffneten Aufstand und forderte eine Intensivierung der Gewalt gegen Israel. Plakate, die an verschleppte und ermordete Geiseln erinnern sollten, wurden mit dem Kürzel BDS beschmiert und die Gesichter der entführten Israelis unkenntlich gemacht. Hierbei handelt es sich nicht um Einzelfälle (1).

 

Diese Praxis ist keine ›Kritik‹ an Israels Kriegsführung. Sie verhöhnt die Geiseln der Hamas und stellt eine konkrete Bedrohung von Jüdinnen und Juden dar. Dies zeigte sich zum Beispiel an der Humboldt Universität in Berlin, als eine israelische Shoah-Überlebende niedergebrüllt wurde (2) oder nach dem 7. Oktober 2023, als aus Kundgebungen mit BDS-Beteiligung Jüdinnen und Juden verbal und physisch angegriffen wurden.

 

Nach dem 7. Oktober 2023 wurden in vielen Städten weltweit Plakate der von der Hamas in den Gazastreifen entführten Geiseln aufgehängt. Immer wieder wurde diese Solidaritätsbekundungen abgerissen oder – wie hier in Dresden –  mit den Buchstaben BDS beschmiert

 

 

Quellen

(1)  Bundesverband RIAS (2020): Antisemitismus bei BDS. Akteure – Aktionsformen – Wirkungen, online bei report-antisemitism.de, Seite 49.

(2) Internationales Institut für Bildung, Sozial- und Antisemitismusforschung e.V. (2023): Die antisemitische Boykottkampagne BDS, online bei iibsa.org, Seite 7.

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Einladung zur vertiefenden Reflexion

 

Im Folgenden erhalten Sie einige Fragen, mit denen Sie das Gelernte reflektieren können.

 

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Versetzen Sie sich in die Lehrkraft aus der Einstiegsszene. Was wäre Ihre erste Reaktion?

Hier nochmal die Szene: Sie bemerken während einer Pausenaufsicht eine Gruppe Schüler, die ›Palestine Cola‹ trinken. Einer aus der Gruppe zeigt Ihnen eine App. Er erklärt, dass er damit im Supermarkt erkennen könne, ob etwas »von den Zionisten« komme, das würde er nämlich boykottieren.

 

Bitte geben Sie zuerst Ihre Antwort/Antworten an.

Es gibt hier viele richtige Antworten. Wie Sie handeln, hängt stark von der konkreten Situation ab: Welche Methoden haben sich im Umgang mit der konkreten Lerngruppe bisher als erfolgreich erwiesen? Vor welchen Herausforderungen stehen die Schülerinnen und Schüler aktuell? Vor welchen Herausforderungen sehen Sie sich als Lehrkraft? Welche Unterstützungsstrukturen gibt es an Ihrer Schule?

Von solchen und weiteren Fragen hängt Ihre konkrete pädagogische Reaktion ab. Wichtig ist, dass Sie sich positionieren. Machen Sie eindeutig klar, dass Sie Antisemitismus im Klassenraum nicht dulden. Informieren Sie bitte umgehend die Schulleitung! Eine Reaktion ist allerdings immer falsch: Nicht zu handeln.

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Überlegen Sie, welche Herausforderungen digitale Medien im Zusammenhang mit BDS für die Schule darstellen. 

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BDS ist im digitalen Raum sehr präsent und erreicht Jugendliche über Plattformen wie TikTok oder Instagram. Boykottaufrufe, Memes und Hashtags wirken dort niedrigschwellig und können schnell normalisiert werden. Lehrkräfte stehen deshalb vor der Herausforderung, antisemitische Inhalte nicht nur inhaltlich, sondern auch medienpädagogisch zu bearbeiten. Dies erfordert die Vermittlung von Medienkompetenz: Wie erkenne ich Propaganda? Welche Interessen stehen hinter einem Post? Warum sind bestimmte Narrative gefährlich? Pädagogisch bietet dies die Chance, Schülerinnen und Schüler nicht nur gegen Antisemitismus, sondern auch gegen Desinformation allgemein zu stärken. Damit wird Schule ein Ort, an dem kritischer Medienumgang aktiv eingeübt wird.

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Was denken Sie? Welche Verantwortung tragen Lehrkräfte im Umgang mit BDS im schulischen Kontext?

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Lehrkräfte haben die doppelte Verantwortung, jüdische Schülerinnen und Schüler zu schützen und antisemitische Strukturen sichtbar zu machen. Eine vermeintliche Neutralität gegenüber BDS könnte als Zustimmung verstanden werden und antisemitische Diskurse legitimieren. Schutzräume bedeuten, dass Betroffene sicher sein können, dass Antisemitismus nicht relativiert wird. Gleichzeitig ist es Aufgabe der Lehrkraft, die Mechanismen von BDS im Unterricht transparent zu machen und klar von legitimer Israelkritik abzugrenzen. Dies verlangt Mut zur Positionierung, aber auch die Fähigkeit zur sachlichen Aufklärung. Nur so kann Schule ihrer demokratischen Verantwortung gerecht werden.

Ergänzend ist wichtig, dass Lehrkräfte nicht allein handeln müssen: Schulinterne Konzepte, Unterstützung durch das Kollegium und externe Beratungsstellen können Sicherheit geben. Zudem sollten Lehrkräfte ihre eigenen Haltungen und Unsicherheiten kritisch reflektieren, um glaubwürdig auftreten zu können. Auf diese Weise wird die pädagogische Verantwortung nicht nur theoretisch benannt, sondern praktisch im Schulalltag verankert.

Sie haben das Modul »Die BDS-Kampage« beendet! 

 

Nehmen Sie gerne auch diese praktischen Hinweise zur Kenntnis:

Mit dem TikTok Content Check der Amadeu-Antonio-Stiftung erhalten Sie eine Methode, um Inhalte auf TikTok kritisch analysieren zu können. Dieser Test kann im Unterricht eingesetzt werden und ist somit auch ein digitales Hilfsmittel zur Förderung der Medienkompetenz.

Hilfreich ist im Zusammenhang mit Medienkompetenz auch der Materialpool Analysieren und Reflektieren des Medienkompetenzrahmen NRW.

 

Denken Sie daran:

  1. Mit diesem neu erworbenen Wissen können Sie faktenbasiert gegen Antisemitismus argumentieren.
  2. Schauen Sie also nicht weg, sondern handeln Sie! Beachten dazu die Handlungsleitlinien Antisemitismus des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen.
  3. Antisemitismus ist keine Meinung, sondern eine direkte Bedrohung von Jüdinnen und Juden. Melden Sie antisemitische Vorfälle bei der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS).
  4. Nehmen Sie bitte auch die Rechtlichen Regelungen im Zusammenhang mit antisemitischen Vorfällen in Schulen sowie den Erlass Zusammenarbeit bei der Verhütung und Bekämpfung der Jugendkriminalität zur Kenntnis.

 

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Weiterführende Literatur zum Thema

Natascha Müller (2022): Menschenrechte und Antisemitismus Die transnationale BDS-Kampagne gegen Israel, Bielefeld: Transcript.

Samuel Salzborn (2019): Globaler Antisemitismus. Eine Spurensuche in den Abgründen der Moderne, Weinheim/Basel: Beltz Juventa, Seite 148-156.

Sebastian Mohr/Jan Riebe (2019): Die BDS-Kampagne gegen Israel oder die Taktik der Diffusität, online bei belltower-news.

Jakob Baier (2021): Antisemitismus in der BDS-Kampagne, online bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Unterrichtsmaterialien zum Thema

In Marcus Meier et al. (2024): Bildungsarbeit gegen Antisemitismus.  Grundlagen, Methoden, Übungen, Frankfurt am Main: Wochenschau, Seite 240-242 (Methode 7: »Herr Tamms Laden« – Achtung: passwortgeschützt) findet sich eine Möglichkeit, sich mit antisemitischem Boykott zu beschäftigen.