Völkischer
Antisemitismus heute: Codes und Symbole

Während des Unterrichts bemerkt eine Lehrkraft, dass ein Schüler einen schwarzen Hoodie trägt, auf dem ein stilisiertes Kreuz in Runenform und die Zahl 88 abgebildet sind. Die Lehrkraft ist sich zunächst unsicher, ob die Zeichen eine besondere Bedeutung haben, spricht den Schüler jedoch ruhig darauf an. Der Schüler sagt, er habe den Hoodie online gekauft, »weil er cool aussieht«. Er gibt an, die Symbole nicht zu kennen.

Die Lehrkraft recherchiert im Anschluss und erfährt, dass diese Rune seit Jahrzehnten in rechtsextremen Gruppen verwendet wird und die Zahl 88 als Code für »Heil Hitler« steht (H = 8. Buchstabe im Alphabet).

Hätten Sie diesen Code erkannt? Und wie steht es um andere rechtsextreme Codes?

 

Darstellung einiger neonazistischer Symbole

 

In diesem Modul …

  1. erhalten Sie Informationen zum Rechtsextremismus der Gegenwart,
  2. lernen Sie mehr zum Verhältnis von Antisemitismus und Rechtsextremismus und
  3. erfahren Sie, wie Sie rechtsextreme Codes und Symbole erkennen und einordnen können.

 

Am Ende eines jeden Moduls wird auf weiterführende Fachliteratur verwiesen.
Ebenso erhalten Sie Handlungsempfehlungen für den Schulalltag und Zugang zu Methoden aus der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit, die Sie direkt im Unterricht einsetzen können.

 

Was ist Rechtsextremismus?

Der Begriff ›Rechtsextremismus‹ beschreibt sehr allgemein eine politische Einstellung, die von Vorstellungen der Ungleichwertigkeit von Menschen ausgeht. Zwar sind die Weltbilder im Spektrum dieser Ideologie unterschiedlich. Gemein ist ihnen aber die Vorstellung eines ethnisch einheitlichen Volkes und die Ausgrenzung von Menschen, die nicht dieser Vorstellung von ›Ethnie‹ entsprechen.

Das rechtsextreme Spektrum umfasst u.a. den klassischen Neonazismus, die Ideologie der ›Reichsbürger‹, Rechtspopulismus und die Neue Rechte. Alle genannten Akteure propagieren eine Ideologie der Ungleichwertigkeit, vertreten nationalistische, rassistische und antisemitische Positionen sowie ein antidemokratisches Verständnis von Gesellschaft (1). 

 

Quellen

Wilhelm Heitmeyer (2002-2011): Deutsche Zustände. Folge 1-10, Frankfurt am Main: Suhrkamp.

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Schwerpunkt Neonazismus

Neonazismus steht in der Tradition des völkischen Nationalismus und strebt nach einem politischen System nach dem Vorbild des Nationalsozialismus. Dieses Ideal führt bereits in kleinen Gruppen zu strengen Hierarchien und der Ablehnung demokratischer Grund- und Freiheitsrechte.

Gruppierungen, die heute dieser Strömung zugeordnet werden können, sind etwa Parteien wie Die Heimat (vorher NPD), Der III. Weg oder Die Rechte. Auch lockerer organisierte Freie Kameradschaften oder in den sozialen Medien vernetzte  Gruppen wie Jung & Stark oder Deutsche Jugend Voran gehören dazu (1).

Quellen

(1) Übersichten über das öffentliche Auftreten, die Propaganda und Ideologie finden sich auf den Seiten von zivilgesellschaftlichen Akteuren wie democ. oder Recherche Nord, die bundesweiten u. a. Demonstrationen von Neonazis dokumentieren.

Rechtsextremismus und Antisemitismus

Antisemitismus spielt im Rechtsextremismus eine zentrale Rolle (1). Die Leipziger Autoritarismus-Studie aus dem Jahr 2024 bestätigt den »Anstieg der rechtsextremen Einstellungen in Deutschland« und ermittelt in diesem Zusammenhang, dass auch Antisemitismus »nach langjährigem Abwärtstrend« (2) wieder deutlich angestiegen ist – mit vergleichbarer Entwicklung in West- und Ostdeutschland (3). 

 

Quellen

(1) Gideon Botsch (2024): Antisemitismus und Rechtsextremismus. Der gemeinsame Nenner, online bei report-antisemitism.de, Seite 14.

(2) Oliver Decker, Johannes Kies, Ayline Heller und Elmar Brähler (2024): Vereint im Ressentiment. Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2024, in: dies. (Hg.): Vereint im Ressentiment. Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen, Gießen: Psychosozial, Seite 22.

(3) Oliver Decker, Johannes Kies und Elmar Brähler (2024): Antisemitismus als individuelles Ressentiment und gesellschaftliches Sediment – empirische Befunde, in: dies. (Hg.): Vereint im Ressentiment. Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen, Gießen: Psychosozial, Seite 133–158.

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Was denken Sie? Antisemitische Vorfälle mit rechtsextremer Motivation …

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Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) in NRW hat dies in ihrem Jahresbericht dokumentiert. Antisemitische Vorfälle aus dem rechtsextremen Milieu belegen sowohl in NRW (1) als auch bundesweit (2) den zweiten Platz und haben sich mit 52 Vorfällen im Vergleich zum Vorjahr sogar verdoppelt (3) – wobei mehr als die Hälfte aller bei RIAS NRW gemeldeten Vorfälle keinem politischen Spektrum zugeordnet werden konnten. Die Dunkelziffer von antisemitischen Vorfällen mit rechtsextremer Motivation kann also deutlich höher liegen (4).

 

Auch antisemitische Vorfälle mit rechtsextremem Hintergrund in NRW sind 2024 vermehrt im Kontext Schule gemeldet worden: »Die Gesamtzahl bleibt mit elf rechtsextremen Vorfällen zwar auf niedrigem Niveau, im Vorjahr dokumentierte RIAS NRW jedoch keinen einzigen Fall in dieser Kategorie. […] Generell lässt sich beobachten, dass nationalsozialistische Positionen auch im schulischen Kontext weniger tabuisiert erscheinen und […] in der Pause, im Klassenzimmer oder in Klassenchats vertreten werden.« (5)

 

Quellen

(1) RIAS NRW (2025): Antisemitische Vorfälle in Nordrhein-Westfalen 2024, online bei report-antisemitism.de, Seite 15.

(2) Bundesverband RIAS (2025): Antisemitische Vorfälle in Deutschland 2024, online bei report-antisemitism.de, Seite 49.

(3) RIAS NRW (2025): Antisemitische Vorfälle in Nordrhein-Westfalen 2024, online bei report-antisemitism.de, Seite 75.

(4) Gideon Botsch (2020): Rechtsextremismus und ›neuer Antisemitismus‹, in: Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (Hrsg.):Wissen schafft Demokratie. Schwerpunkt Antisemitismus, Jena, Seite 21.

(5) RIAS NRW (2025): Antisemitische Vorfälle in Nordrhein-Westfalen 2024, online bei report-antisemitism.de, Seite 76.

Rechtsextreme Codes und Symbole

Dieser Trend zeigt sich auch bei Jugendlichen. Neonazis treten momentan nicht nur offener und gewaltbereiter auf. Die Mitglieder der Szene werden auch immer jünger. Sie orientieren sich in Kleidung und Symbolik stark an den Neonazis der 1990er Jahre, aber auch an anderen Jugendkulturen (1). Um Zugehörigkeit zur Szene auszudrücken, wird sich verschiedener Codes und Symbole bedient.

Daher kann zwar offene geäußerte völkische Propaganda wie das Zeigen des Hitlergrußes oder »Juden vergasen«-Graffitis vorkommen (2), sind aber Extremfälle. Häufiger werden rechtsextreme Einstellungen und Antisemitismus durch sogenannte »Umwegkommunikation« (3) verschlüsselt transportiert. Diese ist oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen.

Quellen

(1) Aspekte (2025): Rechte Gewalt. Neonazis auf dem Vormarsch, online bei zdf.de.

(2) RIAS NRW (2025): Antisemitische Vorfälle in Nordrhein-Westfalen 2024, online bei report-antisemitism.de, Seite 76-77.

(3) Jessica Hoyer (o. J.): Umwegkommunikation, online bei bpb.de.

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Zahlen- und Buchstaben

Zur Verschleierung sind unter anderem Zahlen- und Buchstabencodes beliebt. Sie werden durch Graffitis verbreitet, als Tätowierungen getragen oder als Grußformeln im Internet verwendet. Besonders bekannt ist die ›88‹. Sie wird in der Szene gleichbedeutend mit ›Heil Hitler‹ verwendet. Bei vielen Codes werden Buchstaben im Alphabet durch entsprechende Zahlen ersetzt, z.B. die Zahl 18 oder 444. Auch Abkürzungen und Akronyme wie ZOG sind beliebt (1).

18 ist ein Code für ›Adolf Hitler‹. Er findet sich in Namen von Organisationen (etwa bei der rechtsterroristischen Gruppe Combat 18), Wunsch-Autokennzeichen oder als Grußformel in Internetforen Verwendung.

444 ist ein Code für ›Deutschland den Deutschen‹.

ZOG ist die Abkürzung für ›Zionist Occupied Government‹ (dt.: Zionistisch besetze Regierung). Der amerikanische Rechtsextremist Eric Thompson prägte dieses Akronym in den 1970er Jahren. Es handelt sich dabei um eine antisemitische Verschwörungsideologie, die behauptet, Regierungen seien von einer ›globalistischen Elite‹ unterwandert, die weltweit Staaten und deren Regierungen unterwandern würden, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. ZOG ist identisch mit der Behauptung einer ›jüdischen Weltverschwörung‹.

 

Quellen

(1) Umfangreiche Dokumentationen vieler weiterer Codes finden sie etwa beim Bundesamt für Verfassungsschutz, beim Ambulanten Justizsozialdienst Niedersachsen/Aussteigerhilfe Rechts oder der internationalen Hate on Display™ Hate Symbols Database der Anti-Defamation League.

Symbole: analog und digital

Folgend soll ein erster Einblick in rechtsextreme Symbolik der Gegenwart ermöglicht werden.

Dieser Einblick soll Sie dabei unterstützen, rechtsextreme und antisemitische Codes z.B. auf Kleidung oder in der Klassen-Chatgruppe zu erkennen.

Was denken Sie? Handelt es sich bei den folgenden Abbildungen um Codes und Symbole, die in rechtsextremen Kontexten verwendet werden?

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Dieses Symbol wird in rechtsextremen Kontexten verwendet!

Das Lambda-Symbol wurde von der Identitären Bewegung übernommen und steht dort für den ›Widerstand‹ gegen Migration und für eine angeblich ›reine europäische, kulturelle Identität‹. Es ist an das Zeichen der antiken Spartaner angelehnt (bekannt aus dem Film 300), wird als rechtsextremes Erkennungszeichen verwendet und steht für Rassismus, Ausgrenzung und Nationalismus.

Die Identitäre Bewegung behauptet außerdem, dass ›Globalisten‹ oder ›geheime Eliten‹ gezielt Migration fördern, um europäische Völker ›zu ersetzen‹. Diese Verschwörungserzählung des ›Großen Austauschs‹ knüpft direkt an antisemitische Ressentiments an, ohne sie offen zu benennen.

Damit verbindet sich das Lambda-Symbol indirekt mit einem antisemitischen Weltbild, das alte Mythen über jüdische Kontrolle, Manipulation und eine ›jüdische Weltverschwörung‹ reproduziert.

Auf einer Demonstration der ›Identitären Bewegung‹ wird die Verschwörungsideologie des ›Großen Austauschs‹ verbreitet, Berlin 2016

 

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Diese Formulierung wird in rechtsextremen Kontexten verwendet!

Der Satz »Solidarität mit Ursula Haverbeck« bezieht sich auf die bekannte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck, die mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Wer sich mit ihr solidarisch zeigt, stellt sich somit offen gegen die historische Wahrheit des Shoah und unterstützt die Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen.

Zugleich ist die Aussage antisemitisch, weil die Leugnung oder Verharmlosung der Shoah eine Form des Post-Shoah-Antisemitismus ist – also der Versuch, die Realität umzudeuten, die historische Verantwortung abzuwehren oder chiffriert die Shoah zu leugnen. Solidarität mit Haverbeck bedeutet daher, antisemitische Geschichtsfälschung zu legitimieren und Feindbilder gegen Jüdinnen und Juden zu bestärken.

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Pepe the Frog/Pepe der Frosch ist eine Zeichentrickfigur, die zu einem beliebten Internet-Meme geworden ist. Die Figur erschien erstmals 2005 in dem Online-Comic Boy’s ClubUrsprünglich hatte Pepe keinerlei rassistische oder antisemitische Bedeutung.

Dieses Meme wird aber in rechtsextremen Kontexten verwendet!

Internetnutzer übernahmen die Figur und verbreiteten es auf Plattformen wie 8chan oder Reddit mit rassistischen, antisemitischen oder anderweitig menschenfeindlichen Inhalten (1).

Im Herbst 2016 startete die Anti-Defamation League (ADL) gemeinsam mit Pepe-Erfinder Matt Furie die Kampagne #SavePepe, um das Symbol von jenen zurückzuerobern, die es mit hasserfüllten Absichten missbrauchen (2).

Das Bundesamt für Verfassungsschutz bestätigt, dass in Deutschland die Verwendung des Memes in Zusammenhang mit offen nationalsozialistischer Symbolik – etwa als ›Auschwitz pepe‹ oder ›SS pepe‹ – strafbar ist (3).

Quellen

(1) Savvas Zannettou et al. (2008) On the Origins of Memes by Means of Fringe Web Communities, online bei arxiv.org, Seite 2.

(2) Anti-Defamation League (o. J.) Hate on Display /Pepe the Frog, online bei adl.org.

(3) Bundesamt für Verfassungsschutz (2022): Symbole, Zeichen und verbotene Organisationen, online beiverfassungsschutz.de.

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Die ›Okay‹-Handgeste – Daumen und Zeigefinger berühren sich, die übrigen Finger sind ausgestreckt – wird traditionell verwendet, um Zustimmung, Verständnis oder Wohlbefinden auszudrücken. In den meisten Kontexten ist die Geste harmlos und hat keine politischen oder rassistischen Bedeutungen.

Dennoch wird die Geste in rechtsextremen Kontexten verwendet!

Seit 2017 wurde die Geste jedoch ausgehend von der Webseite 4chan als Symbol für ›White Power‹ benutzt – Daumen und Zeigefinger bilden den Buchstaben P, die übrigen Finger ein W. Die Geste verbreitete sich schnell, und manche rechtsgerichteten Nutzer nutzten die Geste ironisch oder provokativ in sozialen Medien. In einigen Fällen übernahmen tatsächlich rechtsextreme Terroristen die Geste, etwa der australische Attentäter Brenton Tarrant 2019. Auch auf Demonstrationen deutscher Neonazis wird die Geste verwendet.

Heute bleibt die überwiegende Nutzung der Geste weiterhin harmlos, doch der rechtsextreme Missbrauch zeigt, dass der Kontext entscheidend ist. Ohne weitere Hinweise sollte niemand automatisch unterstellen, dass die Geste rassistisch oder extremistisch verwendet wird.

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Diese Formulierung wird in rechtsextremistischen Kontexten verwendet!

Die Aussage ›Befreie dich vom Schuldkult‹ ist antisemitisch, weil sie die Auseinandersetzung mit der deutschen Verantwortung für die Shoah als übertrieben und als religiösen Kult darstellt. Indem die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen als religiöser ›Kult‹ diffamiert wird, wird die historische Schuld relativiert und Erinnerungskultur delegitimiert.

Zugleich greift die Formulierung das antisemitische Muster der Täter-Opfer-Umkehr auf: Sie suggeriert, dass Jüdinnen und Juden Schuldgefühle ausnutzen, um wirtschaftlichen Einfluss und politische Macht auszuüben.

(Un-)Codiertes Sprechen

Schauen Sie sich diese kurze Videodokumentation an, die das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e. V. bei einer Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen aufgenommen hat. Attila Hildmann sowie andere Rechtsextremisten und Leugner der nationalsozialistischen Verbrechen verbreiten hier eine Vielzahl von antisemitischen Codes.

Durch das Laden können Daten an YouTube übertragen werden. Lesen Sie mehr in der Datenschutzerklärung.

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Was denken Sie? Welche der im Video gefallenen Aussagen sind antisemitisch?

 

Ziehen Sie die Aussage in der Mitte in das richtige Feld.

 

antisemitisch
»Deutschland wird nicht aus Berlin regiert, Deutschland wird aus Frankfurt regiert. [...] Das gesamte Gold ist dort!«
nicht antisemitisch

Diese Aussage ist antisemitisch.

 

Sie greift klassische antisemitische Verschwörungsideologie auf indem sie unterstellt, dass nicht demokratisch gewählte Politiker (in der Bundeshauptstadt Berlin), sondern Finanzeliten oder Banken (in Frankfurt als Finanzstandort und Börsenplatz) die Kontrolle über Deutschland hätten – und spielt damit auf das alte antisemitische Ressentiment an, ›die Juden‹ würden über das Finanzwesen oder die Weltwirtschaft herrschen. Frankfurt wird dabei oft – so auch im Video – mit der jüdischen Familie Rothschild assoziiert, die in solchen Mythen als Symbol für angebliche ›jüdische Finanzmacht‹ missbraucht wird (1).

 

Quellen

(1) GRA. Stiftung gegen Antisemitismus und Rassismus (2021): Rothschild, online bei gra.ch.

antisemitisch
Die Neue Weltordnung findet heute und hier ihr Ende, auf deutschem Boden. [...] Deutschland kennt diesen Feind besser als jede andere Nation!«
nicht antisemitisch

Diese Aussage ist antisemitisch.

 

Sie spielt auf die Verschwörungsideologie einer ›Neuen Weltordnung‹ an – ein Code für die angebliche Macht der sogenannten ›Globalisten‹, die in rechtsextremer Propaganda eine Chiffre für ›jüdische Weltverschwörung‹ ist. Wenn dann noch von einem ›Feind‹ die Rede ist, den Deutschland besonders gut kenne, wird auf die antisemitische Ideologie des Nationalsozialismus verwiesen, die ›die Juden‹ als Feinde markiert und die Shoah ermöglicht hat (1).

Quellen

(1) GRA. Stiftung gegen Antisemitismus und Rassismus (2021): Neue Weltordnung, online bei gra.ch.

antisemitisch
»Ich hab‘ überhaupt kein Problem mit Juden, [...] ich kann aber nicht abstreiten, dass...«
nicht antisemitisch

Diese Aussage ist antisemitisch.

 

Mit dem Satzbeginn gibt sie eine scheinbare Distanz zu Antisemitismus. Das ›aber‹ signalisiert allerdings, dass im Anschluss sehr wahrscheinlich eine antisemitische Behauptung folgt. So wird Antisemitismus verharmlost, verschleiert und unmittelbar mit dem Handeln von Jüdinnen und Juden als Kollektiv in Verbindung gebracht (1).

Quellen

(1) Albert Scherr/Barbara Schäuble (2006): »Ich habe nichts gegen Juden, aber…« Ausgangsbedingungen und Ansatzpunkte gesellschaftspolitischer Bildungsarbeit zur Auseinandersetzung mit Antisemitismus, online bei amadeu-antonio-stiftung.de.

antisemitisch
»Die Weltbank, die wird regiert von den Rothschilds, das sind nun mal die Zionisten!«
nicht antisemitisch

Diese Aussage ist antisemitisch.

 

Sie wiederholt die Verschwörungsideologie, dass jüdische Familien – hier die Rothschilds – heimlich die Weltwirtschaft oder internationale Finanzinstitutionen kontrollieren. Durch die Verbindung mit dem Begriff ›Zionisten‹ wird zudem suggeriert, dass die jüdische Nationalbewegung, der Zionismus, nicht als Reaktion auf den Antisemitismus im Europa des späten 19. Jahrhunderts entstanden ist. Der Begriff ›Zionisten‹ behauptet hier, ›die Juden‹ hätten kollektiv geplant, die Welt zu beherrschen. Solche Behauptungen werden durch die antisemitische Erfindung der ›Protokolle der Weisen von Zion‹ seit Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute reproduziert (1).

Quellen

(1) Amadeu Antonio Stiftung (2015): No Word Order. Wie antisemitische Verschwörungsideologien die Welt erklären, online bei amadeu-antonio-stiftung.de, insbesondere Seite 45-51.

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Was können Sie im Schulalltag tun?

Rechtsextreme Codes und Symbole verändern sich dynamisch und passen sich aktuellen gesellschaftlichen Trends und Jugendkulturen an. Daher ist es in der Präventionsarbeit entscheidend, stets auf dem neuesten Stand zu bleiben, um diese subtilen Zeichen frühzeitig zu erkennen und einordnen zu können.

Wahrnehmen und Einordnen

  • Rechtsextreme Codes und Symbole sind Hinweise auf Ideologien, egal ob diese den Schülerinnen und Schülern bewusst sind oder nicht.
  • Erste Reaktion: ruhigklar und situativ.

Dokumentieren und Melden

  • Beobachtete oder geäußerte antisemitische Vorfälle sollten nicht ignoriert, sondern dokumentiert werden.
  • RIAS (Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus) unterstützt bei der Erfassung und Einordnung von Vorfällen. Dort können Sie Vorfälle anonym melden.
  • Schulen sind verpflichtet, antisemitische Vorfälle zu benennen, zu melden und pädagogisch zu bearbeiten, wie die Schulmail ›Antisemitismus‹ vom 08. Mai 2018 verdeutlicht.

Unterstützen und Schützen

  • Weitere Maßnahmen prüfen.
  • Betroffene (sichtbar oder unsichtbar) nicht aus dem Blick verlieren.
  • Gesprächs- und Beratungsangebote an der Schule aktiv benennen (Vertrauenslehrkräfte, Schulsozialarbeit).
  • Bei Bedarf externe Unterstützung nutzen.

 

Wer Codes erkennt, trägt Verantwortung. Antisemitismus im schulischen Raum braucht klare Haltung, Wissen und konsequentes Handeln.

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Sie haben das Modul »Völkischer Antisemitismus heute: Codes und Symbole« beendet! 

Nehmen Sie gerne auch diese praktischen Hinweise zur Kenntnis:

Die Amadeu-Antonio-Stiftung hat die Handlungsempfehlung 10 Punkte gegen Rechtsextremismus an Schulen zusammengestellt.

In der Lernwerkstatt: Neue Rechte des Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. finden sie Handreichungen, Broschüren und pädagogisch-didaktisches Material zu Antisemitismus in der extremen Rechten sowie Lernvideos und Padlets mit vielen weiterführenden Informationen.

Denken Sie daran:

  1. Mit diesem neu erworbenen Wissen können Sie faktenbasiert gegen Antisemitismus argumentieren.
  2. Schauen Sie also nicht weg, sondern handeln Sie! Beachten dazu die Handlungsleitlinien Antisemitismus des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen.
  3. Antisemitismus ist keine Meinung, sondern eine direkte Bedrohung von Jüdinnen und Juden. Melden Sie antisemitische Vorfälle bei RIAS (Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus).
  4. Nehmen Sie bitte auch die Rechtlichen Regelungen im Zusammenhang mit antisemitischen Vorfällen in Schulen sowie den Erlass Zusammenarbeit bei der Verhütung und Bekämpfung der Jugendkriminalität zur Kenntnis.

 

 

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Weiterführende Literatur zum Thema

Rico Behrens/Anja Besand/Stefan Breuer (2021): Politische Bildung in reaktionären Zeiten. Plädoyer für eine standhafte Schule, Frankfurt am Main: Wochenschau.

Unterrichtsmaterialien zum Thema

Handreichung der Bildungsstätte Anne Frank zu Geschichtsrevisionismus und Antisemitismus.

Bei der Bundeszentrale für politische Bildung finden Sie Arbeitsblätter und eine dazugehörige Handreichung, mit der sie rechtspopulistische Argumente und rechtsextreme Rhetorik im Unterricht bearbeiten können.